Reventlow Museum Pederstrup

Reventlow Museum Pederstrup

Geschichte der Gutshauskultur und Reformen eines Adeligen

Nachdem es einst die bevorzugte Sommerresidenz des Adligen, Politikers und Reformators der Aufklärung, Grafen C.D.F. Reventlow, war, beherbergt das Hauptgebäude der Gutsanlage aus dem frühen 19. Jahrhundert heute ein Museum. Es zeigt das Gutshausleben und die Reformperiode, die den Grundstein für die Entwicklung des heutigen Dänemarks legte.

Das Reventlow-Museum wurde im Jahr 1940 im Hauptgebäude des Gutshofs Pederstrup eröffnet. Die Geschichte des Anwesens lässt sich bis in die 1340er Jahre zurückverfolgen, wobei die ältesten Bauteile des Hauptgebäudes aus den 1550er Jahren stammen. Sein heutiges Aussehen erhielt das Museum dank der Restaurierung und des Wiederaufbaus des Hauses im Imperialstil im Jahr 1940, das C. D. F. Reventlow in den Jahren 1813-22 hatte errichten lassen. Heute gehört Pederstrup zu den wenigen wichtigen Gebäuden in Dänemark, die im Imperialstil erbaut wurden. Die Familie Reventlow verkaufte Pederstrup in den 1930er Jahren. Das Hauptgebäude und der Park wurden daraufhin als Museum gestaltet. Dabei wurde das Hauptgebäude wieder dem Stil des schlichten Imperialhauses von C. D. F. Reventlow angepasst. Inzwischen ist das Gebäude wunderschön in den grünen Park eingebettet, der von Seen und Wäldern umgeben ist. Vom historistischen Pederstrup ist nur noch der beeindruckende Ofen in der Herrenhausküche erhalten geblieben.

Heute kann man in den wunderschön eingerichteten Räumen mit ihrem Blick über die Seen den Alltag von C. D. F. Reventlow hautnah miterleben. Hier erfährt man, wie wohlhabende Familien in den Dekaden rund um 1800 in ihren Herrenhäusern lebten. In den Wohnzimmern des Museums findet jedes Jahr eine Sonderausstellung statt.

Christian Ditlev Frederik Graf von Reventlow

Geschichte einer Dynastie

Der Staatsmann und Gesellschaftsreformator Christian Ditlev Frederik Graf von Reventlow (1748-1827) erbte Pederstrup in 1775. Als ältester Sohn einer der wohlhabendsten Adelsfamilien Dänemarks hatte er eine hervorragende Bildung erhalten. Sie befähigte ihn nicht nur zur Übernahme des Familienbesitzes auf Lolland, sondern ebnete ihm auch den Weg für eine Karriere in der Kopenhagener Landesregierung. Nach einem mehrjährigen Studium an der Universität Leipzig und einer anschließenden Europareise kehrte C. D. F. Reventlow 1773 in seine Heimat zurück und beendete dort seine Ausbildung. Dort lernte er von den großen Philosophen und Ökonomen seiner Zeit ganz neue Betrachtungsweisen über den Aufbau der Gesellschaft und die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung kennen.

Auf dem Weg zu mehr Macht

Nachdem der junge Kronprinz Frederik (VI.) im Jahre 1784 in seinem Amt bestätigt worden war, erhielt er einen Sitz im Staatsrat. Unterstützt von einer Reihe einflussreicher Männer, darunter C. D. F. Reventlow, trat der junge Kronprinz bei seiner ersten Sitzung mit dem Staatsrat an die Macht und entmündigte damit die konservative Regierung, die das Königreich seit 1772 regiert hatte.

Landwirtschaftliche Reformen

Damit war der Weg für eine ganze Reihe von Reformen in Dänemark geebnet, die unter dem Begriff Agrarreformen zusammengefasst werden. Geprägt vom aufklärerischen Denken und den neuen wirtschaftspolitischen Ideen dieser Zeit wurden kontinuierlich Reformen ausgearbeitet. Diese zielten in erster Linie auf den Agrarsektor ab, den wichtigsten Wirtschaftszweig Dänemarks. Die Abschaffung der Zwangsabgabe, die Schonung der Wälder und die Erarbeitung der ersten nationalen Bildungsgesetze sind nur einige Maßnahmen, für die sich C. D. F. Reventlow zusammen mit dem Kronprinzen eingesetzt haben.

Krise und Stillstand

Damals nahm Dänemark an der Seite Frankreichs am Krieg zwischen Frankreich und England teil. Nachdem Dänemark 1813 zahlungsunfähig geworden war, musste es im Folgejahr Norwegen an Schweden abtreten. An die Stelle der einstigen Aufbruchsstimmung der großen Reformarbeit traten nun Krise und Stillstand. Gleichzeitig wurde C. D. F. Reventlow in politische Isolation versetzt.

Die letzten Lebensjahre

Mit 65 Jahren zog sich C. D. F. Reventlow aus dem Staatsdienst zurück, um sich 1813 mit seiner Frau und den neun gemeinsamen Kindern in Pederstrup niederzulassen. Er lebte hier bis 1827 und verstarb dann im Alter von 79 Jahren.

Die Museumssammlung besteht aus Gemälden und Gegenständen mit Bezug zu C. D. F. Reventlow, den Agrarreformen und den Menschen, die dazu beigetragen haben.

Ihre Frederikke Reventlow

Ein interessanter weiblicher Einblick, vermittelt durch Briefe der Ehefrau von C. D. F. Reventlow

„Ich suche Euch wieder einmal im grünen Tempel, um ein Stündchen mit Euch zu plaudern oder mit Euch in Eurem Dickicht, zwischen blühenden Jasminen und Rosensträuchern, spazieren zu gehen. Dort könnten wir auch die wichtigen Geschehnisse unserer Zeit besprechen, die für unsere Nachkommen Segen oder Unglück verheißen werden. Ich erhoffe mir das Erste …“
Über die Vertrautheit zwischen Friederike und Louise, 1791

Friederike von Reventlow stand seit ihrer Heirat mit Christian Ditlev Frederik von Reventlow im Jahr 1774 bis zum Ende ihres Lebens im Jahr 1822 in wöchentlichem Briefwechsel mit ihrer Schwägerin Louise Stolberg. Obwohl sie sich nur selten sahen, hatten die beiden Freundinnen eine ganz besondere und vertrauliche Beziehung zueinander. Diese dauerte mehr als sechs Jahrzehnte und kommt auch in den Briefen zum Ausdruck, die sie einander schrieben. Eine der jährlichen Ausstellungen des Museums Lolland-Falster basierte auf ausgewählten Briefen, die Friderike an Louise schrieb. In den Briefen schildert sie ihr Leben und ihre Ansichten über das Leben und die wichtigsten Ereignisse in einer der turbulentesten Perioden der dänischen Geschichte.

Ihre Briefe sind ein Schlüssel zum Verständnis der gesellschaftlichen und familiären Entwicklungen am Ende des 17. Jahrhunderts. Während an den Grenzen Dänemarks Krieg und Wirtschaftskrise herrschten und in Frankreich politische Veränderungen stattfanden, setzten sich neue Werte durch, die auf engen familiären Bindungen und einer glücklichen Ehe beruhten. Werte, die Friderike in den vielen von ihr hinterlassenen Briefen und Schriften schon früh vertrat. Ihre Briefe geben uns einen Einblick in die Welt des Familienglücks, des Glanzes und der Festlichkeit der königlichen Bälle und der Freuden und Sorgen der Kindererziehung. Außerdem zeichnen ihre Briefe die politischen und literarischen Debatten ihrer Zeit nach, die allesamt die heutigen gesellschaftlichen Werte mitbestimmen.

Die Ausstellung wurde von Mia Ramsing Jensen (MA) und Museumskurator Jesper Munk Andersen konzipiert.

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